Klettern in der Kletterhalle: die 7 wichtigsten Fragen und Antworten

Du warst noch nie in einer Kletterhalle? Es ist schon einige Zeit seit deinem letzten Kletterhallenbesuch vergangen oder hast Fragen, wie du dich in der Kletterhalle verhalten sollst?  Falls ja, dann haben wir im Folgenden die 7 wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Kletterhalle für dich zusammengestellt:

#1 Ab wann kann ich in die Kletterhalle gehen? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Grundsätzlich kann jeder in die Kletterhalle gehen. Wenn du jedoch absolut keine Erfahrung im Klettern und vor allem im Umgang mit Kletterequipment wie Sicherungsgerät und Klettergurt inklusive deren sachgemäße Verwendung hast, gibt es paar Sachen die du beachten musst. Auch in der Kletterhalle ist Klettern eine Risikosportart und ein unkontrollierter Sturz aus größerer Höhe durch unsachgemäße Bedienung des Equipments kann im schlimmsten Fall zu ernsthaften Verletzungen bis zum Tod führen.

Wenn du das erste mal in eine Kletterhalle gehst, musst du daher in jedem Fall eine Erklärung ausfüllen, dass du über die nötigen Kenntnisse verfügst. Sollte das nicht der Fall sein, empfiehlt es sich dringend, vor dem selbstständigen Kletterhallenbesuch einen Anfängerkurs zu besuchen. Diese werden regelmäßig in Kletterhallen z.B. durch den Deutschen Alpenverein angeboten.

#2 Kann ich in der Kletterhalle auch Bouldern gehen?

Ein Ausnahme, wenn du nicht über die nötigen Kenntnisse der Sicherungstechniken verfügst, oder keinen Kletterpartner hast, der dich sichern kann, bildet das Bouldern. Bouldern, das ist Klettern in Absprunghöhe (ca. 2-3 Meter) ohne Seil.

Es zeichnet sich durch technische Bewegungsaufgaben aus, die klettertechnisch überwunden werden wollen. In vielen Kletterhallen gibt es dafür eigene Boulderbereiche. Frag am besten in deiner Kletterhalle nach Bouldermöglichkeiten nach oder erkundige dich auf der Webseite. Im Gegensatz zu Kletterhallen, die häufig zum Klettern mit Seil auch Bouldermöglichkeiten bieten, gibt es in speziellen Boulderhallen in der Regel ausschließlich Boulderwände. Auch beim Bouldern gibt es einige Regeln, jedoch entfallen hier die strengen Anforderungen an Sicherungstechniken mit Seil und Sicherungsgerät. Bitte bouldere bei einem Kletterhallenbesuch ausschließlich in den dafür vorgesehenen Boulderbereichen.

#3 Was brauche ich alles an Equipment?

Minimalausrüstung (zum Bouldern)

Das wohl wichtigste Equipment für deinen Besuch in der Kletterhalle sind passende Kletterschuhe. In einigen Kletterhallen ist es zwar erlaubt, mit sauberen Turnschuhen zu klettern. Mit passenden Kletterschuhe hast du aber definitiv ein besseres Trittgefühl und mehr Reibung auf den kleinen Tritten an der Kletterwand. Falls du keine eigenen Kletterschuhe besitzt, kannst du dir in der Regel in jeder Kletterhalle welche ausleihen. Ein kleiner Tipp: Es herrscht häufig der Glaube, dass Kletterschuhe möglichst eng sein und sogar weh tun müssen. Dass ist völliger Schwachsinn. Achte darauf, dass die Kletterschuhe knapp sitzen. Wehtun sollten sie jedoch auf keinen Fall.

Keine Pflicht, aber durchaus ratsam, ist es, etwas Chalk oder Magnesia in einem sogenannten Chalkbag dabei zu haben. Das ist dieser kleine, mit weißem Pulver gefüllte, Beutel, den Kletterer auf Kletterfotos häufig hinten am Rücken hängen haben. Das Pulver ist sogenanntes Chalk oder Magnesia. Im Prinzip dasselbe Zeug, was TurnerInnen am Reck oder Barren verwenden, um nicht abzurutschen. Kletterer verwenden es aus dem selben Grund. Das Chalk reduziert die Feuchtigkeit in den Handinnenflächen und ermöglicht dir einen besseren Grip an den Klettergriffen.

Neben deinen Kletterschuhen empfiehlt es sich angenehme Sportklamotten mitzunehmen. Während es spezielle Klettermode gibt, wo z.B. Hosen häufig über einen Stretch-Anteil verfügen, eignen sich auch Jogginghosen, Leggins oder kurze Shorts. Dazu ein einfaches T-Shirt und du kannst loslegen.

Mit dieser Ausrüstung kannst du dich auf jeden Fall schon mal im Boulderbereich deiner Kletterhalle austoben und schon richtig viel Spaß haben. Das Tolle am Bouldern ist, dass man dafür, anders als beim Routenklettern im Kletterbereich deiner Kletterhalle, keinen Kletterpartner braucht. Auch wenn Bouldern in der Gruppe in der Regel mehr Spaß macht, kannst du jederzeit alleine im Boulderbereich deiner Kletterhalle bouldern gehen.

Nötige zusätzliche Ausrüstung zum Klettern von Kletterrouten mit Seil

Wenn du mehr willst und im Kletterbereich deiner Kletterhalle Kletterrouten mit Zwischensicherungen klettern willst, benötigst du neben dem oben genannten Equipment noch ein paar weitere Ausrüstungsgegenstände und vor allem Erfahrung im korrekten Umgang damit.

Als erstes benötigst du einen Kletterpartner, der wie du über Erfahrung im Umgang mit den nötigen Sicherungstechniken verfügt.

An Equipment benötigt jeder von euch einen passenden Klettergurt. Hier gibt es unterschiedliche Größen und verschiedene Einsatzschwerpunkte. Am besten lässt du dich dafür in einem Fachgeschäft beraten. Zur Not kannst du, wie die Kletterschuhe, einen Klettergurt in deiner Kletterhalle ausleihen.

Darüber hinaus benötigt ihr ein Kletterseil. In der Halle werden ausschließlich Einfachseile benutzt. Für gewöhnlich reicht eine Länge von 40 Meter – besser aber 50 Meter – aus. Überdenke hier noch mal, wie hoch deine heimische Halle ist. Bedenke für besonders steile Routen: Routenlänge + Hallenhöhe = notwendige Seillänge. 

Das Seil muss nicht extrem dünn sein. Ein mittlerer Durchmesser von 9,5 bis 10,5 Millimetern reicht vollkommen aus. Stattdessen ist ein höherer Mantelanteil empfehlenswert. Der höhere Mantelanteil macht das Seil langlebiger. Das macht das Seil zwar etwas dicker, aber das ist in der Kletterhalle ein untergeordnetes Problem.

Dazu benötigt ihr ein zum Seildurchmesser passendes Sicherungsgerät, dass sowohl du, als dein Kletterpartner, in der Bedienung beherrscht. Neben der sogenannten HMS-Sicherung wird zwischen Tubern, Autotubern und halbautomatischen Geräten unterschieden. In der Anwendung gibt es dabei deutliche Unterschiede. Du solltest dir die fachgerechte Verwendung deines Sicherungsgeräts von einem Klettertrainer im Rahmen eines Kurses erklären lassen und über entsprechende Übungspraxis im Umgang mit dem Gerät deiner Wahl verfügen.

#4 Wie war das gleich nochmal mit den ganzen Sicherungstechniken?

Wir haben dir die nötigen Sicherungstechniken für das Klettern in der Kletterhalle (Toprope und Vorstieg) nochmal aufgelistet. Die Auflistung soll im besten Fall zur Rekapitulation von bereits Erlerntem dienen. Wenn du bisher noch keinen Kletterkurs für das Erlernen der wichtigsten Techniken für Toprope- und Vorstiegsklettern besucht hast, empfehlen wir dir dies dringend zu tun, bevor du mit deinem Kletterpartner Routen im Kletterbereich deiner Kletterhalle kletterst.

Beim Klettern von Kletterrouten in deiner Kletterhallen sollten du und eine Kletterpartner vor und bei jeder Tour folgende Punkte besonders beachten:

  • Der Sichernde kann sich in dem Bereich in dem der Kletternde in die Route einsteigt frei bewegen und ist frei von Stolperfallen (Sturzraumhygien). Das Seil liegt, idealerweise auf einem Seilsack, ohne Knoten diagonal hinter dem Sichernden (auf der Seite der Sicherungshand)
  • Knoten in das Seilende machen, um ein Durchrutschen des Kletterseils durch das Sicherungsgerät und einen damit einhergehenden Absturz des Kletternden zu vermeiden
  • Richtiges Einlegen des Kletterseils in das Sicherungsgerät (beachte die Richtung des Seil des Kletternden und des Sicherungsseils an der Sicherungshand) und Verschließen des Sicherungskarabiners
  • Richtiges Einbinden des Kletternden in den Klettergurt mittels Achterknoten oder doppelten Bulin in Bauch- und Beinschlaufe oder in den Anseilring
  • Erwäge geeignete Maßnahmen bei signifikanten Gewichtsunterschieden von Kletterndem und Sicherndem wie z.B. besonders dynamisches/undynamisches Sichern, Z-Clip, Edelrid Ohm, Zusatzgewicht durch Sandsack
  • Durchführung eines Partnerchecks vor dem Losklettern:
    • Beide Klettergurte des Sichernden und des Kletternden sind richtig angezogen und richtig verschlossen
    • Kletterseil ist korrekt in das Sicherungsgerät eingelegt und der Sicherungskarabiner ist verschlossen
    • Sicherungsknoten ist korrekt am Klettergurt des Kletternden eingebunden
  • Spotten des Kletternden bis zum ersten Haken
  • Korrektes und dynamisches Seil einnehmen und Seil ausgeben durch den Sichernden
  • Korrektes einhängen/clippen der Expressschlingen durch den Kletternden (Seil läuft von hinten nach vorne durch den Karabiner der Expressschlingen). Geklippt wird idealerweise auf Hüfthöhe
  • Der Kletterer bleibt immer in seiner Route
  • Situativ korrektes Sichern im Fall eines Vorsteiger- oder Nachsteigersturzes
  • Korrektes clippen beider Karabiner am Toprope durch den Kletternden
  • Langsames ablassen des Kletternden durch den Sichernden. Vorsichtiges und langsames Absetzen des Kletternden durch den Sichernden auf den Boden. Achtung auf andere Kletterer.

#5 Kann ich auch alleine in die Kletterhalle gehen?

Klettern ist eine Partnersportart, daher brauchst du grundsätzlich eine*n Seilpartnerin, die dich sichert. Dennoch gibt es auch die Möglichkeit, alleine in die Kletterhalle zu gehen. Dies geht einerseits, wenn deine Kletterhalle über sogenannte Toppas, d.h. automatische Sicherungsgeräte verfügt. Diese Toprope-Geräte ermöglichen die vollautomatische Sicherung einer Einzelperson. 

Eine weitere Möglichkeit alleine in die Kletterhalle zu gehen, ist bei sogenannten Klettertreffs. Dies sind spezielle Treffen für Kletterer, die keinen fixen Kletterpartner haben. Die Teilnehmer des Klettertreffs sichern sich gegenseitig. Das ist eine tolle Möglichkeit, um Kontakte zu knüpfen und Kletterfreunde zu finden. Alternativ kannst du auch immer alleine Bouldern gehen.

#6 Wie kann ich in der Kletterhalle Klettern lernen?

Jede Kletterhalle setzt solide Kenntnisse zur Partnersicherung voraus, damit du die Kletterhalle eigenständig nutzen darfst. Den sicheren Umgang mit dem Kletterequipment lernst du am besten in einem speziellen Kletterkurs. Diesen kannst du beispielsweise über den Alpenverein, Kurse der Kletterhalle oder einen zertifizierten Klettertrainer absolvieren. Meist unterteilen sich die Kurse in Anfängerkurse und Vorstiegskurse. Im Anfängerkurs lernst du das Sichern und Klettern im Toprope, d.h. wenn das Seil bereits oben in der Umlenkung eingehängt ist. Anschließend geht es weiter mit einem Kurs für das Vorstiegsklettern, in dem du lernst dein eigenes Seil in die Routen zu hängen und dich so zu sichern. 

#7 Kletterhalle mit Kindern

Klettern ist ein toller Sport für und mit Kindern. Sie machen meist intuitiv richtig, was man sich als Erwachsener oftmals hart antrainieren muss. Daher haben Kinder meist sehr viel Spaß beim Klettern und sind in den meisten Kletterhallen aus dem Geschehen nicht mehr wegzudenken. In den meisten Kletterhallen können Kinder ab 14 Jahren selbstständig klettern. Sie dürfen sich gegenseitig sichern, sofern sie das nötige Wissen zur Sicherung haben. Für Kinder unter 14 Jahren ist meist eine Aufsichtsperson notwendig. Hierzu beachtet bitte die Regeln der entsprechenden Kletterhalle, die ihr besuchen wollt. 

Sehr beliebt sind auch Kindergeburtstage in der Kletter- bzw. Boulderhalle. Eine Gruppe von Kindern/Jugendlichen wird hier je nach Angebot von einem zertifizierten Klettertrainer begleitet und in das Klettern/Bouldern eingewiesen. 

Prinzipiell ist für Kinder ein gutes Heranführen an die Materie Klettern über das Bouldern. Hier können die Kinder sich voll und ganz auf die Bewegung konzentrieren und in Absprunghöhe spielerisch klettern. Wenn du mit deinem Kind am Seil klettern gehen willst, kannst du es zu Beginn an den Toprope-Stationen sichern. Diese Stationen gibt es in den meisten Hallen und setzen nur die Sicherungskenntnisse beim Sichernden voraus. Bitte beachte hier die signifikanten Gewichtsunterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen die entsprechende Maßnahmen bei der Sicherung erfordern. Je nach Rolle des Kindes (Kletternder vs. Sichernder) können Maßnahmen wie dynamisches Sichern durch den erwachsenen Sichernden, Z-Clip, Edelrid Ohm, Zusatzgewicht durch Sandsack sinnvolle Maßnahmen sein. Lasst euch bei Unsicherheiten am besten von einem Klettertrainer beraten.